Bericht aus Ghana

Unser neues Mitglied Reinhard Lother begleitete im Februar 2016 die Arbeitsreise von Marianne und Lothar für einige Tage. Hier ist der authentische Bericht seiner Eindrücke: Arbeitsreise2016

 

Nach meiner früheren beruflichen Tätigkeit als Marketingberater war ich seit längerem auf der Suche nach einem sozialen Engagement. Als 77-Jähriger fühlte ich mich fit genug, um mich im sozialen Sinne für die Gesellschaft einzubringen und aktiv etwas zu bewegen. Auf dieser Suche habe ich AfA kennen gelernt und bin 2015 Mitglied geworden.

 

Warum? Ich wollte mit meinem Einsatz nicht für globale Katastrophenszenarien tätig werden, wo man nie sicher sein kann, wie Spendenbeträge verwendet werden und ob diese bei den Bedürftigen auch wirklich ankommen. Vielmehr wollte ich wissen, ob und wo ich nicht nur spenden, sondern auch nachhaltig tätig werden konnte. Ich wollte sichergehen, dass Spendengelder auch tatsächlich bei den Hilfsbedürftigen ankommen. Ich wollte auch mit meinem geschäftlichen und privaten Netzwerk weitere Menschen begeistern und für Spenden gewinnen.

 

Das AfA-Konzept gründet sich auf eine kleine und überschaubare Organisation, die notleidende ländliche Regionen in Ghana mit der Gewinnung von Solarstrom und der Versorgung mit fließendem Wasser unterstützt. Einzelne Projekte werden nach Rücksprache mit den Dorfältesten geplant. AfA liefert aktive Hilfe zur Selbsthilfe! Die Verwaltungs- und Reisekosten werden von den AfA-Mitgliedern privat bezahlt, sodass 100% der Spenden direkt bei den Bedürftigen ankommt.

 

Um ganz sicher zu gehen, hatte ich mir vorgenommen, die Menschen vor Ort zu besuchen und kennen zu lernen und einige AfA-Projektergebnisse mit eigenen Augen zu sehen. Ich war nun im Februar einige Tage in Nnudu, wo zu dieser Zeit auch die AfA-Vorstandsmitglieder Marianne und Lothar Ortmann im Rahmen einer Projektreise vor Ort waren. Hier ist das erste von AfA initiierte und mit den Einheimischen realisierte Wasser- und Solarstromprojekt Wirklichkeit geworden. Gern berichte ich über meine Erfahrungen:

 

Lothar Ortmann holte mich in Accra vom Flughafen ab, Marianne Schneider-Ortmann empfing mich in Nnudu mit einem frischen Obstsalat. Von den Dorfbewohnern wurde ich sehr freundlich und entgegenkommend aufgenommen. Ich spürte eine wohltuende Aufgeschlossenheit und Kontaktfreudigkeit –speziell auch durch die Kinder im Dorf.

 

Ich konnte mich davon überzeugen, dass in Nnudu 25 Wasserzapfstellen an zentralen Stellen im weit verstreuten Dorf entstanden sind, und der im Vorjahr installierte Solarstromspeicher ausreicht, um eine stabile Solarstrom-Versorgung für durchgehend 24 Stunden zu gewährleisten. Solarstrom versorgt die wichtigsten öffentlichen Einrichtungen des Dorfes und betreibt die Pumpen der Trinkwasserversorgung, Kühlgeräte für Lebensmittel und Medikamente, die öffentliche Beleuchtung neuralgischer Punkte im Ort und die PCs der Grundschule.

 

In dieser Schule gibt es auch PC-Unterricht. Nachdem die PCs an das Solarstromnetz von Nnudu angeschlossen wurden, fällt dieser Unterricht nicht mehr wie früher ständig aus, obwohl sich die staatliche Stromversorgung weiter verschlechtert hat. Daraus entwickeln sich gute Chancen für den Besuch weiterführender Schulen. Die Schüler müssen eine Schul-Uniform tragen. Das sieht ganz nett aus, führt aber auch zu einer fatalen Konsequenz: Kinder, deren Eltern kein Geld für eine Uniform haben, können nicht zur Schule gehen!

 

Generell sind die Menschen trotz der für unsere Verhältnisse sehr bescheidenen Lebensbedingungen recht zufrieden und glücklich. Sie haben sich schon insoweit an ihren neuen „Komfort“ gewöhnt, als dass die Heranwachsenden bald nicht mehr wissen werden, wie mühsam das Leben und die Wasserschlepperei früher einmal waren. Die Zapfstellen werden in einem festgelegten Rhythmus von mehreren Verantwortlichen im Dorf geöffnet. Pro Headpan (große Zink-Schüssel mit ca. 20l) Wasser zahlen die Bewohner 0,20 Cedi (ca. 5 €-Cent). Die Einnahmen werden für die Wartung und Instandhaltung des gesamten Trinkwassersystems und den von der eigenen Solaranlage gelieferten Pumpenstrom verwendet, sodass auch ein Beitrag zur Instandhaltung der Solarstromversorgung geleistet wird. Weitere Solarstromentgelte werden von Kleingewerbetreibenden erhoben, damit auch diese Anlagen nachhaltig in Betrieb bleiben und umweltfreundlich Strom für das Dorf liefern.

 

Die Menschen sind stolz auf ihre geleistete Arbeit und haben Verantwortung für Betrieb und Instandhaltung des Trinkwasser- und des Solarstrom-Versorgungssystems übernommen. Stolz sind sie auch, weil sie in der Region als das fortschrittlichste Dorf gelten. Der Häuptling (Bürgermeister) trägt die frohe Kunde mit breiter Brust an seine Kollegen weiter, sodass sich daraus für uns neue Projekte zur Strom- und Wasserversorgung ergeben werden.

 

Die erste Priorität hat nun das Projekt „Wasser und Solarstrom für die Buschklinik in Aboasa“. Wegen miserabler öffentlicher Stromversorgung können dort bisher nächtliche OPs/Entbindungen oft nur bei Kerzen- oder Taschenlampenlicht vorgenommen werden. Die benötigten Wassermengen müssen die Krankenschwestern täglich mühsam von einem Brunnen in die Klinik tragen, die die medizinische Grundversorgung für ca 10.000 Menschen darstellt.

 

Die notwendigen Projektdetails für eine zuverlässige batteriegestützte Solarstromversorgung und eine eigene Trinkwasserversorgung der Klinik samt neuem Bohrloch und Elektropumpe wurden von Lothar Ortmann geplant. Das Konzept wurde von ihm auch mit dem Klinikpersonal, den Dorfältesten und möglichen Lieferanten abgestimmt. Für den ersten Spatenstich steht alles bereit. Mit den Bauarbeiten kann allerdings erst dann begonnen werden, wenn ein Spendenvolumen in Höhe von mindestens € 25.000 erreicht und die Finanzierung dadurch gesichert ist.

 

Nach meiner Rückkehr von Ghana muss ich sagen:

 

Ja, ich mache weiter. Konzept und Feedback haben mich vollständig überzeugt. Nun könnte man sagen: bei Millionen von Bedürftigen auf dieser Welt ist das doch nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“. Dagegen sage ich:

 

„Es ist ein bewegendes Gefühl zu wissen, dass durch AfA etwa 3.000 Menschen zu einem besseren Leben verholfen wurde – und man dies auch sehen kann! In der Gewissheit, weiteren Menschen auf diese Weise konkret helfen zu können, werde ich meine Arbeit für AfA fortsetzen“.

 

Reinhard Lother



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